Was ist aus unserer Gamingwelt geworden? Ein kleiner Beitrag, folgernd aus Erlebnissen und Beobachtungen…

Ich frage mich schon länger, aber derzeit umso mehr, was aus unserer schönen Gamingwelt geworden ist und wie weit diese unschönen Veränderungen noch voranschreiten, ob sie sich festigen oder noch weiter steigern?!

Im Grunde genommen weiss ich nicht mal so recht, wo ich beginnen sollte rund um unsere Gamingwelt, oder besser, in unserem Gaming-Universum, in dem fortlaufende Veränderungen eintreten, sich Kollisionen ereignen oder Ansichten weiter und weiter auseinanderdriften.

Vieles ist schon seit Jahren im Gange, hat sich zumindest in einem gewissen mehr oder weniger kleinem Rahmen gefestigt und deren „Nutzer“ immer wieder angestachelt, wie eine Rebellengruppe kleine Angriffe zu starten. Diese Aussage bezieht sich auf den Konsolen- bzw. Plattformkrieg und die damit, zumindest zum Teil, verbundene Fanboy/Girl-Gemeinschaft, die ihrerseits verbal gegen die anderen Konsolen/Plattformen austeilt und nur ihrer bevorzugten Konsole/Plattform bzw. dem Hersteller das Vertrauen ausspricht, diese gegen alle anderen Konkurrenten verteidigt oder höherwertig darstellt. Die Ironie an der Sache ist, dass gewissermaßen der Konkurrenzkampf der Hersteller im Nachgang von einem Teil der Nutzer weitergeführt wird. Exklusiv-Titel befeuern solche Ansichten ein Stück weit und es freut oder ärgert doch den einen oder anderen, wenn vorherige Exklusiv-Titel auf einmal doch noch für andere Plattformen veröffentlicht werden. Jeder hat seine bevorzugte(n) Plattform(en), auf den er/sie gern spielt, hier sollte man eigentlich die Devise gelten lassen, jeden wie es ihm/ihr gefällt, aber was im realen Leben schon nicht wirklich funktioniert, scheint auch in unserer Gaming-Welt nur ein Stück weit zu klappen…

Gleiches kann man auch auf die Online-Spiele beziehen, vieles artet in einem Online-Kleinkrieg aus, in dem verhärtete Fronten herrschen und spielerische wie auch verbale Auseinandersetzungen an der Tagesordnung sind. In vielen Spielen ist „Fair Play“ nur noch ein Begriff aus der Vergangenheit, vielmehr scheint es teilweise ein Volkssport geworden zu sein, andere Spieler zu trollen, in Online-Spielen zu cheaten, glitchen oder Mods zu nutzen, um sich im spielerischen Wettkampf einen Vorteil zu verschaffen, um nicht zu verlieren, oder um eine bessere K/D-Statistik zu bekommen, mit der man eventuell noch angeben kann/will. Beispiele in dieser Richtung können gemoddete Firmware sein, mit der man die Spiele beeinflussen kann, so das man Gegner durch Wände sehen kann, AIM-Bots, die ein automatisches anvisieren der Gegner ermöglichen, z.B. auf den Kopf, man muss nur noch den virtuellen Abzugshahn betätigen und landet einen Volltreffer ohne selbst zielen zu müssen oder einfach den God-Mode nutzen, in dem man unsterblich ist und die Gegner u.a. mit einem Schuss wegfegen kann, oder man nutzt mehr oder weniger bekannte Glitches und glitcht sich in eine Wand oder Decke, von der man die Gegner beschießen kann, währen man selbst kaum getroffen werden kann, (BF3 / Metro), Fair Play ist solchen Spielern fremd geworden oder war nie Teil ihrer Gamingkultur. Man könnte glatt meinen, die Cheater sind zu einer eigenen Sub-Spezies der Gamer geworden, da diese sich in eine andere Richtung angepasst haben und neben den Fair Play-Gamern koexistieren, mit ihnen spielen und konkurrieren, sich aber durch ihre Spielweise Vorteile verschaffen und die Gamer damit trollen. Die Gründe für dieses „Unfair Play“ können vielschichtig sein, dennoch belügen sich die Spieler, die diesen Weg beschreiten selbst, zum Leidwesen der Spieler, die fair spielen wollen und dieses von anderen ebenfalls erwarten.

Ich werfe mal die Frage in den Raum, was würde wohl passieren, würde es in Online-Spielen eigens für die Cheater bereitgestellte Server geben, auf denen sich die Cheater nach Lust und Laune gegenseitig mit ihren Cheats/Hacks/Mods bekämpfen bzw. gegeneinander spielen könnten/würden? Wie lange würden diese Freude daran haben, wenn sie selbst durch andere Cheater dauerhaft unterlegen wären und ein Spiegelbild ihrer Spielweise vorgesetzt bekommen würden?

Des Weiteren scheint es heutzutage auch Gang und Gebe zu sein, Spieler und vor allem Spielerrinnen zu beleidigen, diese abzuwerten und/oder ihnen vorzuwerfen, nichts zu können. Auch hier können die Gründe vielschichtig sein, vom veralteten oder verdrehten Weltbild, bis hin zu Spaß an der Freude am Beleidigen im anonymen Internet oder durch hochschaukeln in der Gruppe, denn Trolle und dergleichen tauchen bevorzugt in einer Gruppe auf, online, wie auch im realen Leben.

Sowohl im Online- als auch im Offline-Spiel scheint es mittlerweile Normalität geworden zu sein, von den Spielen oder den Entwicklern getrollt zu werden, gefühlt zumindest. Sei es, dass aus Zeitdruck oder was auch immer, unfertige Spiele auf den Markt geworfen werden, die dann immer wieder nachgepatcht werden müssen, weil die „Kinderkrankheiten“ den Spielspaß trüben, das Spiel laggt oder abstürzt, weil die finale Version lange nicht so final ist, wie sie sein sollte. Mit jedem Update/Patch muss man zudem damit rechnen, das alles verschlimmbessert wird, Dinge unnötig verkompliziert werden, nützliche Sachen entfernt und/oder durch weniger nützliche Sachen ersetzt werden oder die Spieler dazu angestachelt werden sollen, ein eigentlich klinisch totes Spiel doch nochmal, und sei es auch nur kurz, zu spielen.

Hinzu kommen noch DLC’s bzw. Microtransaktionen, mit denen die Entwickler den Spielern neben den Vollpreistiteln, welche oft genug nur noch halben Umfang bieten, noch Extras anbieten, die das Spiel am Ende umso teurer machen. Die großen Spieler dieses Geschäftes wie EA sind ja dafür bekannt, nicht mit DLC‘s und deren Preisen zu geizen, vor allem EA musste ja schon massiv Kritik einstecken, für ihre Pay to Win-Strategie, zahle und du hast Vorteile im Spiel den anderen Spielern gegenüber oder schaue eben in die Röhre und geh im Spiel unter, eine friss oder stirb-Kampagne. Ein einträgliches Geschäftsmodell das scheinbar wunderbar funktioniert und den Anbietern sehr viel Geld in die Kassen spült, mit einem bitteren Nachgeschmack für die Spieler, welche noch die Zeiten kennen, in den man noch vollwertige und vor allem funktionierende Spiele bekam, in den nichts gepatcht werden musste oder DLC’s ein Thema waren.

DLC’s sind auch ein wunderbarer Übergang zum nächsten Aspekt, der heutzutage viele Spieler anspornt, die Spiele länger zu spielen als vielleicht gewollt. Gemeint sind Trophäen/Erfolge/Achievements, welche den Spielen hinzugefügt werden und die Spieler zum sammeln/jagen animieren sollen. Die guten alten Klassiker hatten oft genug einen Wiederspielwert, einfach weil die Spiele gut umgesetzt waren und Spaß machten, heutzutage erfüllen Trophäen/Erfolge/Achievements den Zweck des Wiederspielens und verlängern die Spieldauer so künstlich um teils sehr viele Stunden. Die Entwickler schrecken dabei auch nicht davor zurück, die Jagd nach diesen Trophäen/Erfolge/Achievements unnötig schwer bzw. total hirnrissig umzusetzen, wo sich viele Spieler fragen, ob die Entwickler Sadisten sind oder die Trophäen/Erfolge/Achievements-Jäger einfach hassen? Zumindest letzterer Aspekt war bei einen aktuelleren Titel wohl nicht ganz von der Hand zu weisen, Gerüchten zufolge konnten die Entwickler von Fall Guys den Trophäen/Erfolge/Achievements-Jägern nicht viel abgewinnen, was diese dazu veranlasst haben soll, unnötig schwere Trophäen/Erfolge/Achievements einzubauen, um es den „Jägern“ unnötig kompliziert zu machen. Nichts desto Trotz befinden sich die Entwickler mit dieser Aktion in guter Gesellschaft, gibt es doch zahlreiche weitere Beispiele, bei denen die Entwickler ihre sadistische Ader ausgelebt haben. Beispiele sind z.B. Lego Worlds, wo man 1.000.000.000 (1 Milliarde) Lego-Steine im Spiel sammeln soll oder Monster Hunter World/ MHW Iceborne, wo es um das Sammeln von Kronen geht, was zu einem Marathon werden kann, der viele 100 Stunden Spielzeit nach sich ziehen kann. Einige der Assassins Creed-Teile können sich ebenfalls in diesen Ringelrein der Entwickler gesellen, war es doch zwingend nötig, den Mehrspieler-Modus zu spielen, um Level 50 zu erreichen, auch wenn man hinterher den Mehrspieler-Modus nie wieder gestartet hat, so kann man wunderbar die Spielzeit eines wenig gefragten Modus künstlich in die Höhe treiben. Es wäre sinnvoller gewesen, den Mehrspieler-Modus unabhängig von den Trophäen/Erfolge/Achievements anzubieten oder die Trophäen/Erfolge/Achievements als DLC in Verbindung mit dem Mehrspieler-Modus anzubieten, so hätten die Spieler die Wahl gehabt, sich mit dem Hauptspiel zufrieden zu geben oder sich auch dem Mehrspieler-Modus zu widmen, diese Entscheidungsfreiheit gab es aber für die Trophäen/Erfolge/Achievements-Jäger nicht, entweder man spielt den Mehrspieler-Modus oder die höchsten Trophäen/Erfolge/Achievements bleiben verschlossen. Das waren nur ein paar wenige Beispiele, viele Spieler werden sicher noch sehr viel mehr Beispiele kennen und sich diesen gestellt oder irgendwann aufgegeben haben, weil es einfach sinnlos und/oder eine unnötige Zumutung wurde. So manche Entwickler werden sich sicher zufrieden auf die Schulter geklopft haben, wohl wissend, dass sie zahlreichen Spielern eine Klatsche verpasst haben.

Tja nun, man könnte auch sagen „Entwickler, die unbekannten Wesen“ oder „Die Trolle der Video-/Computerspiele-Industrie“

Ein an sich schöner Übergang zum Abschluss, dem einen oder anderen geneigten Leser, der diesen Beitrag bis zum Ende gelesen hat, dürften einige sarkastische oder zynische Bemerkungen aufgefallen sein, geschuldet den gemachten Erfahrungen der Gaming-Leidenschaft. Nichtsdestotrotz sind einige Aspekte unserer Gaming-Leidenschaft doch Herausforderungen und teilweise Leidenswege, welche uns zum Ziel begleiten und denen wir uns immer wieder stellen oder denen wir gefrustet den Rücken kehren. Unser Gaming-Universum hält so vieles bereit, unterhält uns, fordert uns heraus, bietet uns Gemeinschaft, Kooperation, Wettbewerb, hat aber auch unschöne Seiten, Auseinandersetzungen, Anfeindungen und Krisen…

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